TTIP – Es wird verhandelt Freunde. VERHANDELT!

30. Mai 2016

Weil das in meinem Umfeld gerade wieder losgeht, sich Campact Jargon und Überlegungen zu eigen zu machen.

Liebe Freundinnen und Freunde, es ist grundsätzlich natürlich immer richtig und klug politische Verhandlungen und Überlegungen kritisch und aufmerksam zu begleiten.

Zur Aufmerksamkeit gehört aber auch, dass man sich anschaut welche Positionen es insgesamt so gibt. Das scheint mir in der Tat oft zu kurz zu kommen.

Ja, die Verhandlungspositionen, welche durch Greenpeace von den Amis bekannt wurden, können natürlich nicht so Bestandteil eines Handelsabkommens zwischen der EU und den USA werden.

Aber zu fordern die Verhandlungen sofort abzubrechen, weil einem die bekannten Positionen der einen Seite nicht passen ist dann doch ein wenig Politik für Einsteiger. Zumal vielen offenbar die Positionen der EU und deren Verhandlungsansätze ganz und gar nicht bekannt sind.

Natürlich ist es einfacher immer alles abzulehnen, was man nicht versteht, was einem fremd ist, oder was als Hobbyanalytiker die eigenen Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit der Sache übersteigt.

So ein Handelsabkommen ist ein ziemlich komplexes und großes Ding. Da durchzusteigen bedarf es intensiver und professioneller Arbeit. Das können wir alle kaum leisten, weil wir ja alle auch noch einen Job und andere Verpflichtungen haben.

Wenn ihr Euch mit dem Thema TTIP und CETA wirklich auseinandersetzen wollt, dann schaut doch mal die Positionspapiere der S&D-Gruppe im EP an, die findet ihr alle bei Bernd Lange (MdeP), und auf den Seiten der EU findet ihr die Verhandlungspositionen der Kommission.

Ja, ich bin auch kritisch gegenüber dem Handelsabkommen TTIP, aber das ahnungsbefreite Getöse vieler meiner Freundinnen und Freunde hier auf Facebook und und auch im echten Leben finde ich nervig.

Ich kann verstehen, dass einem Dinge Sorgen machen. Aber zumindest meine Freunde in der SPD haben alle Möglichkeiten sich mit Abgeordneten auseinanderzusetzen, diese zu fragen, und die meisten wissen auch, wo man Informationen herbekommt, die nicht Teil von Kampagne eines Unternehmens wie Campact sind.

Und man kann endlich mal aufhören, allen unseren Leuten die da Politik machen die ein wenig komplexer ist, sofort und immer Bösartigkeit und schlechte Motive zu unterstellen.

Weil mir letztens einer sagte, als echter Sozialdemokrat würde man die Verhandlungen sofort abbrechen: Nein! Als echter Sozialdemokrat verhandelt man hart und zäh und ausdauernd.

Und das verlange ich von denen, die ernsthaft Politik machen auf allen Ebenen.

Wo kämen wir denn hin, wenn man nicht mehr miteinander verhandelte, nur weil einem die Gegenseite unsympathisch ist, oder man die Positionen nicht total super findet?

Man verhandelt, weil es unterschiedliche Positionen gibt. Und die Verhandlungen sind dazu da, um zu einem Interessenausgleich zu kommen. Und weil man verhandeln muss, geht man mit Maximalpositionen rein. Niemand kommt mit Maximalpositionen wieder raus.

Und hier kann man übrigens die Verhandlungspositionen der EU einsehen. Viel Spaß beim lesen! 

Ein Tag in einem Pilgerleben – Im März auf dem Camino de la Costa

6. April 2016

Die ALSA-Bushaltestelle gegenüber der Herberge flirtet mich heftig an und schlägt mir vor, doch einfach in den Bus zu steigen, in der nächsten größeren Stadt ein Hotel zu nehmen, eines mit Heizung und heißem Wasser. So dass man eine heiße Dusche nehmen kann. Mit weißer, frischer Bettwäsche, einem weißen, gestärkten Laken. „Wozu hast du denn die verdammte Kreditkarte dabei“, fragt mich die Bushaltestelle nachdrücklich. Ich bin mir sicher, ich habe vorher noch nie eine Bushaltestelle kennengelernt, die mehr Überzeugungskraft hatte, als diese eine im verregneten Baskenland, am ersten Tag im März des Jahres 2016.

Ich war gerade aus der Herberge in Deba, einem kleinen Städtchen, herausgetreten, in der ich eine klamme und kühle Nacht verbracht hatte. Eine schnelle Katzenwäsche im kalten, etwas schmuddeligen Waschraum. Danach in die leider nicht ganz trocken gewordenen Klamotten, Voltaren auf die Fußinnenseiten – heute ist es mit dem rechten Fuß sehr arg – die feuchten Socken drüber. Auch die Wanderstiefel sind in der kalten, feuchten Herberge über Nacht nicht ganz trocken geworden.

Egal – alles was geht „zwiebele“ ich übereinander. Zumindest ein paar Stunden wird so der Regen abgehalten und man bleibt auch durchnässt noch einigermaßen warm. Rucksack auf den Rücken, ein letzter Blick in den Schlafsaal, ob man alles dabei hat, und dann hinaus. Hier traf ich nun auf diese Bushaltestelle. Am Abend, als ich die Herberge als einziger Gast erreichte, war sie mir gar nicht aufgefallen.

„Wem willst du denn eigentlich beweisen, dass du ein harter Hund bist“, fragt mich die Bushaltestelle weiter. „Sieht doch niemand, dass du mal eine Etappe mit dem Bus fährst“, säuselt sie verlockend. „Du bist nicht der erste Pilger, der auch mal eine Auszeit mit dem Bus oder Zug nimmt“ pflichtet nun die gegenüber liegende Bahnstation der Bushaltestelle bei. „Außerdem ist die Regenwahrscheinlichkeit, laut deiner Wetterapp, heute den ganzen Tag um die 80% herum“ insistiert die Bahnstation. „Und viel billiger als in Deutschland sind wir hier auch. Und denke doch auch mal an deine armen Füße.“ mischt sich der bereitstehende Zug ein.

Die Verlockungen der Bushaltestelle übertönt nun zum Glück die Bar an der Ecke, die mir Kaffee und Croissants anbietet. Während ich meinen Kaffee zu mir nehme kommen mir die wahnsinnig schönen und eindrucksvollen Bilder meiner gestrigen Etappe ins Gedächtnis. Die Wetterapp hatte gestern auch gelogen, warum sollte sie mir also heute die Wahrheit sagen. Ich hatte bestimmt zwei Stunden nur Sturm, ohne Regen. Der Sturm erwies sich zudem als große Hilfe, in dem er mich die schmalen, steilen Pfade hinaufpustete.

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Während ich meinen Café con leche schlürfe und das riesige Croissant mit Messer und Gabel verputze, breiten sich vor meinem inneren Auge die gestrigen Eindrücke aus. Wild und ungezähmt zeigte sich mir die Biskaya. Wunderschön, zerklüftet und einsam ist die Küste im März.

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Die körperliche Anstrengung und die Macht der Naturgewalten sorgten dafür, dass ich mich auf den Moment konzertierte. Auf den Weg. Auf das was ich sah und erlebte. Mein Alltag war das erste mal, seit dem ich mich auf den Pilgerweg gemacht hatte, auch in meinem Kopf ca. 2000 Kilometer weit entfernt. Nun war ich frei und offen für das, was mir auf dem Weg begegnen würde. Das war es doch, was ich wollte. „Den Kopf frei bekommen“. Mich auf das einlassen, was mir auf dem Weg begegnen würde. Deswegen habe ich das Abenteuer „Camino de la Costa“ im März doch gewagt.

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Eine neue Etappe liegt vor mir. Ein neues Abenteuer. Was würde diese Etappe mir bringen? Was würde ich erleben? Ich lasse Bahnstation und Bushaltestelle grußlos zurück und mache mich auf den Weg nach Zenarruza.

Am Abend in der Herberge des Klosters erschöpft aber zufrieden angekommen, nehme ich an der Vesper der Mönche teil, gemeinsam mit einem weiteren Pilger. Immerhin schon mal zu zweit in der Herberge. Beide sind wir ganz offensichtlich froh darum, die Möglichkeit zu haben uns miteinander auszutauschen. Ich erzähle Günther von den Verführungsversuchen der Bushaltestelle. Er lacht verständnisvoll. Ein Mönch bringt uns eine große, heiße und leckere Portion Gemüsesuppe, Günther hat Wein dabei, ich Brandy.

Ich notiere in meinem Tagebuch am Abend noch schnell: Es geht auch darum, dass ich mich nicht selbst bescheiße! Und dann ab in die Falle!

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Der Küstenweg ist Kopfsache. „Mr. Camino“ testet Deinen Willen, deine Ernsthaftigkeit, deine Standhaftigkeit und dein Durchhaltevermögen. Zusammengefasst also Deine Einstellung. Er belohnt Dich jeden Tag wieder dafür, dass Du diese Prüfungen auf dich nimmst. Es ist ein großartiges Erlebnis.

 

 

 

 

 

Schleswig-Holstein und das Kitesurfen – Kitsurfing is not a crime!

9. Februar 2016

Wir haben gestern im Landesparteirat der SPD SH kurz über die Sache mit dem Kiten gesprochen. Es wurde dann darauf verwiesen, das es eine Einigung zwischen den Aktivisten und Robert Habeck gäbe.

Das scheint mir nicht der Fall zu sein. Robert Habeck hat mit den Aktivisten die 22000 Unterschriften gegen das Vorhaben im Nationalpark Wattenmeer das Kitesurfen generell zu verbieten noch gar nicht gesprochen.

Na gut, man kann mir natürlich vorwerfen befangen zu sein, und hier in eigener Sache unterwegs zu sein. Aber wir betonen doch immer, dass es eine der Stärken der SPD ist, dass unsere Mitglieder in der Gesellschaft verankert sind, und so auch Themen mit bringen.

Ich denke nicht, dass diese Angelegenheit vom Tisch ist. Der Kern des Streites sind ja gar nicht die Gebiete, die jetzt als „Kitezonen“ ausgewiesen werden sollen. Der Punkt, der Kiter umtreibt ist, dass die der Minister eine Beweislastumkehr vornehmen will.

Wir Sozialdemokraten in SH sollten uns dafür einsetzen, dass die Frage des Wassersportes auf der Ostsee und der Nordsee nicht mal eben nebenbei im Schweinsgalopp „erledigt“ wird, sondern, dass wir in SH gemeinsam mit den Akteuren in dieser Sache, also den betroffenen Kommunen, Tourismusgesellschaften der Kommunen, den Naturschutzverbänden, den Kitern, und Wassersportverbänden eine Regelung finden, die alle gut finden können.

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Das generelle Verbot soll nur für Kiter gelten. Warum sollen Kiter anders behandelt werden als Surfer, als Segler? Stören Spaziergänger, Spaziergänger mit Hunden, Fahrradtouristen die Vogelwelt nicht z.T. viel drastischer?

Ein Papier zu der Störung der Vogelwelt, welches ich zufällig einsehen konnte, zeigt auf, dass Kiter am Ende eben nicht stärker in die Vogelwelt eingreifen, als andere Menschen, die ihre Freizeit an den Küsten verbringen.

Bitte liebe Landesregierung, liebe Genossinnen und Genossen im Landtag, macht da doch bitte eine Runde Sache draus, die dem Anspruch des Politikstils, den wir ja gemeinsam mit den Grünen und dem SSW als Ziel formuliert haben, gerecht wird.

Nicht nur im Interesse der Kiter, sondern auch im Interesse der Tourismuswirtschaft in SH, die ja nicht ganz unerheblich ist. Nicht wenige Menschen schauen dem Spektakel auf dem Wasser und am Himmel nämlich gerne zu und unternehmen auch deswegen Tagesausflüge an die Westküste.

Pilgern auf dem Camino del Norte – Reiseplanungen.

7. Februar 2016

Seit Jahren trage ich den Gedanken mit mir herum, das Abenteuer Pilgern zu wagen. Jetzt habe ich die Möglichkeit und Gelegenheit den Weg zu gehen. Und ich tue es!

Vor einigen Wochen begann ich ein wenig im Internet zu stöbern und stieß auf die Blogs von einigen Pilgern, die Rat und Erfahrungen, welche sie auf dem Camino Francés, Camino Portogués und Camino del Norte gemacht haben mit Interessierten teilen wollten. Diese Blogs haben mich darin bestärkt ein wenig seriöser an die Sache heranzugehen und ernsthaft über das Pilgern auf dem Jacobsweg nachzudenken.

Ziemlich schnell war für mich klar, dass wenn ich gehen will, ich den Camino del Norte, also entlang der nordspanischen Atlantikküste gehe. Auch wegen des Zeitfensters, welches mir zur Verfügung steht, von Ende Februar bis Ende März.

Zunächst kaufte ich mir nun also den vielgelobten Reiseführer von Raimund Joos „Outdoor, Der Weg ist das Zie/Spanien: Jakobsweg/Küstenweg“ vom Conrad Steinverlag. 

 

Wirklich ein informatives und hilfreiches Büchlein, um die ersten konkreten Überlegungen anzustellen. Hape Kerkelings Buch, das von Paolo Choelo und ein paar Jungs, die im Internet ihre hilfreichen Erfahrungen und Ratschläge mitteilen war mir zu wenig Futter.

Eine erste grobe Etappenplanung, intensive Beratungen mit der Frau an meiner Seite und die Abenteuerlust brachten mich zu der Entscheidung, diese Gelegenheit zu nutzen, und die Pilgerreise anzutreten.  


Jetzt beginnen die echten Vorbereitungen. Welche Schuhe, was für ein Rucksack, welche An- und Abreise, Funktionsklamotten? Was kostet der ganze Spaß? 

Der Credencial del Peregrino muss bei der Jacobusgesellschaft bestellt werden.

Schuhe, Pilgerausweis und Bahnticket sind da. Es wird also „ernst“.

 

Zwischen durch bekommt man dann doch gelegentlich Angst vor der eigenen Courage, und dann fragt man sich, warum machst Du das eigentlich? Meine Antwort: Weil ich es kann!

 

Es braucht starke soziale Zusammenhänge

24. November 2015

Gerade gelesen, dass der weiße Mittelstand in den USA nicht gut davor ist. Die Lebenserwartung sinkt, der Alkohol-, Medikamenten- und Drogenmissbrauch steigt an.

Europas Mittelstand rückt offensichtlich nach rechts. Und wie immer, wenn irgendwas aus dem Lot gerät oder Europäer nicht wissen wo sie mit sich hin sollen, braucht es einen Sündenbock.

Hauptsächlich junge muslimische Männer radikalisieren sich pseudo-religiös.

Experten benennen als Hauptgrund die wirtschaftliche und berufliche Situation für alle diese „Phänomene“.

Ich glaube allerdings auch, dass Menschen Dinge brauchen, die Sinn im Leben stiften. Leute die sich mit Drogen platt machen, oder Menschen die etwas brauchen, das Schuld an ihrer Unzufriedenheit hat, oder Menschen die sich in eine perverse, religiöse Ideologie stürzen suchen etwas, das die leere in ihrem Leben füllt. Da ist es nicht getan mit einem besseren Job.

Es braucht starke soziale Zusammenhänge, da Menschen soziale Wesen sind. Man muss zusammen etwas schaffen, Ziele haben und an diesen arbeiten.

Wie also bekommt man positive gesellschaftliche Dynamik in Gang? Auch das ist eine politische Fragestellung, welche wir Sozis stärker diskutieren müssen.

Wer also hat den Mut?

5. November 2015

Zwei Wochen war ich quasi abgeschnitten. Ich habe keine Zeitungen gelesen, deutsche schon mal gar nicht, die gab es in Polis auf Zypern schlicht nicht, nur britische und griechische, ich habe mein Telefon Zuhause gelassen, habe also auch keine Internet gehabt.

Und sorry, Deutschland ist in der Diskussion um Flüchtlinge im Kern keinen Schritt weiter gekommen. Das ist in Anbetracht der Gesamtsituation schon bitter. Man könnte das auch als politisches Versagen der Regierungsparteien, aber ebenso der Opposition betrachten.

Die Parteien und ihre Repräsentanten reden um den heißen Brei herum, führen Scheindebatten und beschließen seltsame Dinge.

Alle reden davon, man müsse auch die Fluchtgründe bekämpfen. Die Erkenntnisebene ist also da. Und niemand von denen die im Bundestag sitzen kann so blöde und naiv sein und nicht begreifen, was das bedeutet.

Aber sagen will auch keiner, was das bedeutet. Denn wenn man das ernsthaft thematisierte, legte man sich mit mächtigen Interessengruppen an. Die militärische Begleitmusik, die notwendig wäre, mit allen Schwierigkeiten im internationalen Geflecht, ist politisch für die Politik in Deutschland nicht halb so gefährlich, wie einige andere politische Weichenstellungen, die man auf europäischer Ebene ins Werk setzten müsste.

Wer also hat den Mut, die eigene Politik in den Kontext damit zu setzten, dass man, um Interessengruppen politisch zufriedenzustellen, den Zusammenbruch von ganzen Gesellschaften in z.B. Afrika billigend in Kauf genommen hat?

Was richtet unsere europäische Subventionspolitik in der Landwirtschaft in Ländern Afrikas an, die eine florierende Tomatenmark-Industrie hatten? Und so kann man den Gedanken weiterspinnen.

Man erntet was man säht. Also hört auf Placebo-Diskussionen zu führen liebe MdB und MdeP. Macht Euch gerade.

Transatlantische Rummelhure

11. Juni 2015

Neulich habe ich gelernt, dass ich eine „transatlantische Rummelhure“ bin. Zugegeben, die Wortschöpfung ist kreativ. Aber was bedeutet sie? Schauen wir doch mal nach. Transatlantische dürfte selbsterklärend sei. Wikipedia schlägt mir für das Wort „Rummel“ folgende Erklärungen vor: 1) Eine Kurzbezeichnung für den Rummelplatz und beziehungsweise oder die Veranstaltung; siehe Jahrmarkt, Kirchweih, Volksfest, Vergnügungspark, Fahrgeschäft

2) Die regionale Bezeichnung für im Fläming vorkommende Trockentäler; siehe Rummel (Geomorphologie)

3) Ein Fluss in Algerien, siehe Rhumel

4) rheinländischer Ausdruck für Runkelrübe

5) Bayrischer Rummel, die Vertreibung bayerischer Truppen durch Tiroler Freiheitskämpfer im Jahr 1703.

6) Rummel (Einheit), ein Stückmaß für Blumenzwiebeln Für den Begriff „Hure“ schlägt mir Wikipedia diese drei Bedeutungen vor: 1) Eine Bezeichnung für eine Prostituierte.

2) Das Hure-Banner (库伦旗) der bezirksfreien Stadt Tongliao im Autonomen Gebiet Innere Mongolei der VR China, die im Hure-Banner gelegene Großgemeinde Hure (库伦镇).

3) Die Gemeinde Hure im Département Gironde in der französischen Region Aquitanien, siehe Hure (Gironde).

Tja. Wahrscheinlich wollte mir der wehrte Mitdiskutant nicht sagen, dass ich ein Stückmaß für Blumenzwiebeln aus der Gironde bin, welches über den großen Teich exportiert werden soll. Wahrscheinlich hat meinen Mitdiskutanten es geärgert, dass ich in einer Diskussion über die Regierung Russlands das Argument „Aber die Amis“ nicht als Argument oder Relativierung der aggressiven Expansionspolitik der russischen Regierung gelten lassen wollte. Man kann die Amis kritisieren. An vielen, vielen Stellen. Mir fallen da auf den Schlag Dinge ein, die mich an der Politik der USA in der Vergangenheit massiv geärgert haben, und die ich falsch fand. Diese falschen Politiken der USA aber zu nutzen, um die Politik des Kreml zu rechtfertigen, oder zu relativieren, halte ich für eine dumme Herangehensweise, in Diskussionen um Krieg und Frieden. Ich gehe ja auch nicht zum KSV, haue sechs Gegnerfans um, und relativiere dieses Tun dan damit, dass das bei Hansa-Rostock doch ganz normal sei.

Die Ehre der Kieler SPD.

15. September 2014

Ich wollte mich eigentlich zu der ganzen Sache um Susanne Gaschke nicht äußern. Nicht schriftlich und nicht öffentlich. Nicht per Facebook, Twitter oder Blogeintrag. Für mich ist das ganze nämlich nicht nur ein politisches Possenspiel in der Provinz, da irgendwo hinter Hamburg, sondern die ganze Sache hat für mich eine sehr persönliche Seite.

Ich bin einige Jahre mit Freunden, Susanne Gaschke und Hans-Peter Bartels über Silvester zusammen in den Urlaub gefahren. Wir hatten viel Spaß, viele interessante und durchaus lehrreiche Debatten. Ich habe Susanne sehr schätzen gelernt und sie in ihrer Kandidatur zur Oberbürgermeisterin unterstützt. Ich fand diese Kandidatur eine sehr gute Idee.

Nun stehen sich Menschen, die ich sehr schätze, aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zu der Frage, um Susannes Rolle in Kiel, recht unversöhnlich gegenüber. Mit einigen Menschen die ich sehr mag kann ich nicht mehr frei und offen reden, weil das schnell zu einer verbalen Eskalation führt, die mir nicht fremd, aber in diesem Zusammenhang unverständlich ist. Kürzlich erst wurde ich, obwohl ich eigentlich nichts zu der Frage sagte, während andere wild diskutieren, wegen einigen wenigen Sätzen zu „Albigs Arschabwischer“. Das kann ich aber verknusen.

Auch mit Freunden, Genossinnen und Genossen immer und immer wieder darüber zu diskutieren, wie man die ganze Geschichte um und mit Susanne Gaschke wahrgenommen hat und wie sie wahrzunehmen sei, auch dieses kann ich verknusen.

Was ich nicht verknusen kann ist ein Satz des Genossen Michael Naumann aus Hamburg in der taz, der ohne jede Ahnung der damaligen Gesamtsituation, der Kommunikationsabläufe, des Kommunikationsverhaltens und ohne jedes persönliche Kennen der vor Ort handelnden Menschen, nur auf Grundlage des Buches einer hysterischen, verletzten und vor den Trümmern des eigenen Handelns stehenden Frau krass urteilt.

„Die Kieler Sozialdemokraten aber müssen sich nach Lektüre des Buches fragen lassen, ob sie die Ehre ihrer alten Partei als historischen Ballast nicht schon längst entsorgt haben.“

Der Mann spricht, ohne jede Auseinandersetzung mit den Menschen die in der SPD Kiel im Kreisvorstand, den Ortsvereinen oder in der Ratsfraktion für die Sozialdemokratie Verantwortung tragen, kollektiv die historisch gewachsene „sozialdemokratische Ehre“ ab.

Das, lieber Michael Naumann, das ist ehrlos. Das ist dummdreist.

So wie Susanne Gaschke mit „der Politik“ abrechnet, könnte man das auch mit Susanne Gaschke tun. Das tut aber niemand in der Kieler SPD. Nicht weil es keine scharfen Waffen gäbe. Nein, wir tun dies alle nicht, weil wir eine gehörige Portion Ehre im Leib tragen.

Ich wünsche mir für Susanne Gaschke, dass sie es schafft ihre Situation anzunehmen, mit ihr umzugehen und die eigenen Fehler zu erkennen. Nicht die Formalen, die sind egal. Die hätte man durchstehen können. Gemeinsam. Aber, und nun kommen wir zum Kern des Problems, das wollte Susanne Gaschke gar nicht. Denn es war von Anfang an einsortiert, in Freund und Feind. Und wer nicht ohne Fragen und Kritik folgen wollte, wurde schnell vom Freund zum Feind. Und am Ende war sie nach eigener Wahrnehmung von Feinden umzingelt.

Schade. Ich wäre gerne ein Freund geblieben.

Zu der Frage von Michael Naumann: Nein, die SPD-Kiel hat ihre sozialdemokratische Ehre nicht über Bord geworfen.

Es begann mit Stiefmütterchen in Blumentöpchen – Die Sache mit Möbel Kraft

21. März 2014

Der ehemalige Kieler Oberbürgermeister, Torsten Albig, hat das getan, was von einem Oberbürgermeister erwartet wird. Er hat sich erfolgreich darum bemüht Unternehmen in der Stadt, deren Oberbürgermeister er war, anzusiedeln. Eines dieser Unternehmen ist die Firma Möbel Kraft.

Das Gelände, welches die Firma Möbel Kraft bevorzugt, liegt zwischen der Autobahn 215, der Kreisstraße 10 (Westring), der Kreisstraße 2 (Hasseldiksdammer Weg), sowie der Bundesstraße 76 (Olof-Palme-Damm). drei dieser Straßen sind mindestens vierspurig, alles Hauptverkehrsadern der Stadt.

In diesem Viereck stark befahrener Straßen befand sich eine Schrebergartenkolonie. Schrebergärten sind etwas aus der Mode gekommen, wenn man den Zahlen glauben darf, denn selbst ohne die betroffene Anlage sind in Kiel noch immer 400 Parzellen frei.

Dennoch regte sich Widerstand gegen den Bau des Möbelhauses an dieser Stelle. Überall in der Stadt tauchten Blumentöpchen auf, die beschriftet waren mit „Apfelsaft statt Möbelkraft“, „Efeuranken statt Blechlawinen“ und ähnliches. Ich fand, das war eine kreative und symphytische Art des Protestes. Niemand konnte sagen, er hätte Protest gegen die Ansiedelung nicht wahrgenommen. Ich war gespannt, wie dieser Protest nun weiter gehen würde.

Zur Kommunalwahl 2013 wurde der Ton schon etwas rauer, denn die Wählerinitiative WIR und die Partei die LINKE hatten das Thema „Rettung der grünen Lunge“ für sich entdeckt. Doch das Ergebnis der Kommunalwahl hat die Partei die LINKE und auch die Wählerinitiative WIR in ihrem Kurs nicht bestätigt. Das Ergebnis der Kommunalwahl 2013 in Kiel war eindeutig, die Befürworter der Ansiedelung haben alle zugelegt, die LINKE dramatische 7,7% verloren.

Doch die Initiatoren des Protestes gaben sich mit dieser Schlappe nicht geschlagen. Das ist ja auch gut so. Wenn man sich für etwas einsetzt, sollte man das auch zu Ende ausfechten. Doch wurde der Ton und die Art der Argumente schärfer, unsachlicher und gelegentlich wurden Einschätzungen und Überlegungen auf Seiten der Ansiedlungsgegner zu Fakten erklärt. Das hat nicht gerade zur Versachlichung der Auseinandersetzung um diese Ansiedelung geführt. Die Radikalisierung des Protestes schritt fort.

Irgendwann im Laufe dieses Prozesses stießen zu den Initiatoren um NABU, WIR und LINKE weitere Gruppen, welche die Frage der Ansiedelung zu einer Systemfrage erklärten. Nun hieß es schon, „Wir entscheiden, nicht Konzerne“.  Korruptionsverdacht wurde in den Raum gestellt. Die Positionierung des DGB-Vorsitzenden Frank Hornschuh für die Ansiedelung von Möbelkraft wurde mit dem Verdacht verknüpft, dass da sicher ein Dezernentenpsoten für den „SPD-Genossen“ bei rausspringen würde. Alle Befürworter aus der Kieler Politik und Wirtschaft wurden also unter den Generalverdacht gestellt, aus purem Eigennutz dieser Ansiedelung zuzustimmen.

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Die Verunsachlichung und Radikalisierung des Protestes schritt weiter fort. Das Vokabular der Gegner entlarvte immer mehr und mehr, dass es bei vielen der Aktivisten längst nicht mehr um die Laubenpieper oder den Gedanken des Umweltschutzes geht. An Laternen und Ampeln wurden Flugblätter befestigt, in denen der Grüne Bürgermeister und Stadtbaurat Peter Todeskino perönlich diffamiert wurde.  Andere Flugblätter hatten den Text „HALT! Kieler Obrigkeit lässt sich von Möbel Kraft (Krieger) kaufen!!!“  auf dem selben Flugblatt wurde behauptet, dass Möbelkraft die Kieler Politik erpresse. Alle diese Angriffe und Behauptungen haben keine beweisbare Grundlage.

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Wer so agiert, und damit eine Stimmung des Mistrauens und der Aggression erzeugt, der hat den Boden der demokratischen politischen Auseinandersetzung verlassen. Dem geht es nicht um die Sache.

Und es kam wie es kommen musste, angestachelt durch die von Teilen der Ansiedlungsgegner erzeugten Stimmung in der „linken“ Szene, haben sich Idioten dazu verleiten lassen Menschen zu bedrohen, persönlich zu verunglimpfen und dadurch viele andere gleich mit einzuschüchtern.

Diese Form der Auseinandersetzung kann ich nicht akzeptieren, und hoffe von Herzen, dass auch deswegen die Initiative am Sonntag gründlich Schiffbruch erleidet. Diese Form des Diskurses darf in der Stadt Kiel keinen Erfolg haben!

Ich Stimme bei dem Bürgerentscheid mit „NEIN“ und werde so mithelfen, dass in Kiel strukturell für ca. 300 Arbeitsplätze im Handel der Weg frei gemacht wird.

Hier eine kleine Auswahl der „Flugblätter“ und Stellungnahmen der Gegner der Ansiedelung:

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Einfach! Glücklich!

6. November 2013

Die Holsteiner, Nordfriesen und Südschleswiger gelten gemeinhin als wortkarg und wenig aufgeschlossen gegenüber Fremden. Dass wir uns Fremdem gegenüber verschließen ist natürlich ausgemachter Blödsinn. Als die Bayern noch in ihren Schluchten inzestuöse Familienplanung betrieben, sind wir schon in der Karibik rumgesegelt und haben Rum nach Flensburg gebracht, oder waren auf Wahlfang im Pazifik.

Dennoch sind wir, auch in der langen Geschichte, immer auf das Geld und die Güter von Fremden angewiesen gewesen. Früher lebten ganze Landstriche von der Strandräuberei, Städte von der Piraterie, heute leben diese Landstriche vom Tourismus. Naheliegend ist, dass die Geschäftspraktiken im Tourismus an der einen oder anderen Stelle durchaus aus der Tradition der Strandräuberei kommen.

Aus diesem Umstand kommt wahrscheinlich auch die Annahme vieler Fremder, dass die Menschen zwischen den Meeren wortkarg seien, denn wie soll man mit Menschen sprechen, die man bei nächster Gelegenheit ausnehmen muss, um das Überleben der eigenen Sippe zu garantieren?

Persönliche Bande werden ernst genommen. Wenn man das Herz eines Holsteiners für sich erwärmen kann, so bleibt es ein Leben lang warm, auch wenn der Kontakt immer mal wieder abreißt. Auch das ist in der Geschichte begründet, denn früher war man dann eben mal ein paar Jahre zur See, wenn man dann nach Hause kam, konnte man sich ja keine neuen Freunde suchen, es waren ja keine neuen Menschen da.

Ist erst mal ein kommunikativer Draht hergestellt, muss man keine Angst mehr vor den Nordlichtern haben, den Menschen mit denen wir reden, die plündern wir nicht mehr aus. Jedenfalls nicht mehr so dolle. Deswegen gelten wir inzwischen in weiten Teilen der Republik als sympathisch, aber ein büschen dröge. Dröge, weil, was soll man sich erzählen, wenn es nichts Wichtiges zu erzählen gibt?

Das Land zischen den Meeren war in Gänze nie wirklich reich, aber zum Überleben hat es immer gereicht. So haben die Menschen zwischen den Meeren verinnerlicht, dass das Leben an sich schon eine gute Sache ist, und man gut daran tut, es zu nehmen wie es kommt. Nützt ja nichts. So kann man das Herz eines echten Holsteiners schon mit einer guten Erbsensuppe erfreuen.

Den Holsteinern, Nordfriesen und Südschleswigern sagt man nach, dass sie stoisch und gutmütig seien, jedoch im Ernstfall sehr direkt. Echte Holsteiner wissen immer was sie aneinander haben, das macht das Leben um einiges leichter. Ein einfaches Prinzip, aber es passt eben auch zu den „einfachen“ Gemütern. Überkandideltes Winkelgeziehe im persönlichen Umgang wird gemeinhin nicht sonderlich geschätzt. Überflüssiges Gesabbel, zumindest wenn kein Grog im Spiel ist, auch nicht.
20130122_161629Dennoch ist Geselligkeit kein Fremdwort für die Menschen zwischen den Meeren. Denn wenn es draußen viel dunkel ist, es regnet und stürmt, braucht man ein tiefes, heißes Feuer im Herzen, welches einem die gute Laune bewahrt. Dabei hilft der Grog, und die Geselligkeit. Denn wir Menschen zwischen den Meeren tragen unsere Sonne im Herzen. Und teilen das miteinander, wenn wir uns gut kennen. Deshalb sind wir die glücklichsten Menschen in Deutschland.